Sonntag, 4. März 2012

Leben ist nicht genug

Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling:
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume 
gehören auch dazu.

H.Ch. Andersen

Was nährt ein Lebewesen? Was brauchen wir, wir alle, die hier auf dieser Erde existieren, um die beste Version unseres Selbst zu leben?
Ich glaube, dass es sehr individuelle Bedürfnisse sind, die jedes einzelne Lebewesen hat, um all das auszudrücken, was in ihm steckt. Was dem einen seine Erleuchtung, ist dem anderen sein Heim oder eine Reise um die Welt oder die Zeit mit seinen Freunden oder ein Ausritt durch den Herbstwald oder...
Ganz egal, in der Quintessenz ist das alles
Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume.


 

Donnerstag, 23. Februar 2012

Neue Wege

Never change a winning team, heißt es so schön, und dabei meint man mehr als nur das Team nicht zu verändern, sondern das ganze Rundherum, das ganze Paket, das oft jahrelang gut funktioniert hat.
Wir alle sind im ersten Moment wie vor den Kopf gestoßen, wenn etwas, das "immer gegangen ist", plötzlich nicht mehr geht. Dann fängt die intensive Suche nach den Ursachen an. Prinzipiell ist das verständlich und oft auch richtig.
Aber manchesmal gibt es keine erkennbare Ursache, keinen reparablen Defekt - einfach ausbessern, reset und alles ist wieder gut. Gut meint in diesem Falle: So wie vorher.
Gerade in der Beziehung zwischen Lebewesen - und dabei ist es egal, ob Mensch mit Mensch oder Mensch mit Tier interagiert - hat sich ein Konzept manchmal schlicht und ergreifend überlebt. Die Zeit für die alten Muster, die bekannten und oft ausgetretenen Pfade ist abgelaufen.
Zeit für was Neues. Zeit für neue Wege.
Alles, was lebt, entwickelt und verändert sich beständig. (Wenn man den neueren Erkenntnissen der Quantenphysik glaubt, ist das mit allem das existiert so, belebt wie unbelebt.) Natürlich auch wir; und unsere Pferde. Folgt man diesem Gedanken logisch, heißt das, dass sich nach einiger Zeit eigentlich zwei "neue", auf jedenfall zwei veränderte Partner gegenüberstehen. Wie sollte dann das ganze Rundherum von früher noch ganz genauso passen wie einst im Mai? Geht gar nicht. Kann gar nicht funktionieren.
Manchesmal reifen beide, Mensch und Pferd, harmonisch miteinander; dann passiert die Veränderung
unauffällig, in kleinen Schritten. Man wächst, fast unmerklich, miteinander.
Aber mitunter verändert sich bei einem von beiden mehr auf einmal, der andere kann nicht so einfach von selbst Schritt halten. Irgendwann wird dann deutlich, dass "etwas nicht stimmt".
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen und so tun, als ob die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse einen nicht verändert hätten. Weder bei uns Menschen noch bei unseren Pferden geht das. Es wäre auch, ehrlich gesagt, schrecklich! Der Tod jeder Entwicklung. Es soll ja ein paar besonders spirituelle Menschen geben, die auch ohne Druck lernen. Aber so wie ich mich - quasi als Prototyp des Normalsterblichen - kenne, braucht es eine Herausforderung, einen gewissen Handlungszwang, um mich aus der Komfortzone des Bekannten, Bequemen zu holen.
Wenn also nix mehr geht, ist es Zeit, die alten Krücken, die alten Konzepte loszulassen.
Einfach etwas ausprobieren, was man noch nie gemacht hat. Etwas überdenken, über das man noch nie nachdenken musste. Etwas zulassen, was einem bisher fremd oder seltsam erschien.
Das Pferd wird es uns danken. Und plötzlich "geht dann was, was noch nie gegangen ist"!

Freitag, 17. Februar 2012

Beziehungsarbeit?

Die Beziehung zwischen Pferd und Mensch ist - wie jede andere Partnerschaft auch - an gewisse Regeln und Übereinkünfte gebunden. Verletzt einer der Partner diese Strukturen zu sehr, kommt es zu Unstimmigkeiten. Das System kommt aus der Balance und muss entweder wieder in das alte Regelwerk zurückgebracht werden oder in ein neues System überführt werden.
Das heißt im Klartext: Wir bereinigen die Zerwürfnisse und streben danach, unsere Beziehung mehr oder weniger so weiterzuführen wie davor.
Oder wir machen etwas Neues.
Manchesmal ist es einfach an der Zeit, neue Wege auszuprobieren. Gerade altgedienten Paaren tut soetwas gut. Das bedeutet keineswegs, dass man Bewährtes über Bord wirft. Ein paar neue Elemente, in die Beziehung eingebracht, wirken oft schon Wunder.
Was ich in den Jahren der Arbeit mit Pferden und ihren Menschen gelernt habe, ist folgendes:
So wichtig es auch ist, ernsthaft miteinander und aneinander zu arbeiten, wie unverzichtbar klare Strukturen, Disziplin und eine gewisse Arbeitsmoral auch sind -
im Grunde geht es einfach nur um die Freude, die zwei Lebewesen miteinander erleben.
Es ist ganz egal, was irgendein anderer darüber denkt und sagt, wie Sie und Ihr Pferd miteinander arbeiten und ob Sie auch "Fortschritte" machen usw. Kein anderer hat Platz in Ihrem Beziehungssystem, es geht einzig und alleine darum, ob sich die zwei Beteiligten, also Roß und Reiter, miteinander wohlfühlen.