Man sagt, dem Anfängergeist wohnt ein besonderer Zauber inne. Man sagt, dass man sein Leben lang ein Lernender sein soll. Man sagt, dass das Leben der beste Lehrer ist.
Ich sage: Stimmt.
Geist, Seele und Körper blühen auf, werden angeregt und geschult durch neue Eindrücke und Erfahrungen.
Ich habe noch einen Aspekt von unglaublicher Dynamik entdeckt, der besonders aktiv wird, wenn du etwas lernst, was du definitiv und prinzipiell noch nie gekonnt hast und wozu du auch keinerlei Talent hast: Dein Ego stirbt tausend Tode, und wenn du Glück hast, krepiert ein kleiner Teil davon schlussendlich für immer. Allerdings nicht ohne sich vorher heftig zu wehren.
Die Geschichte meines ganz privaten Ego-Waterloo beginnt an einem trüben Donnerstag, der nur erhellt wird von der Erkenntnis, dass es Zeit ist.
Zeit, etwas für den eigenen Körper, für die Harmonie von Leib und Seele zu tun.
Nun hab ich in den letzten Jahren gelernt, dass es ratsam ist, auf intensive Impulse aus den Tiefen der eigenen Seele zu hören. (Klingt nach spiritueller Erkenntnis, hat aber viel mit der praktischen Erfahrung zu tun, dass meine Seele, wenn ignoriert, zum Holzhammer greift, um mir ihre Anliegen nahe zu bringen...)
Nach sorgfältiger Erwägung aller meiner Möglichkeiten - Zirkeltraining entbehrt jeglicher geistig-seelischer Dimension, Ausdruckstanz wär möglich, aber ganz ehrlich...ich weiß ja nicht...- ist mir mit einem Mal sonnenklar, was ich tun möchte.
Ich lerne T'ai Chi. Und Qi-Gong. Schöne, geschmeidige Bewegungen in gemäßigtem Tempo und mit meditativem Geist. Großartig.
Außerdem gehe ich davon aus, dass der Lehrer solch wundersamer Künste - da von oben erwähntem meditativen Geiste beseelt - eine Engelsgeduld hat. Die wird er brauchen mit seiner neuen Schülerin, soviel ist selbst bei wohlwollendster Betrachtung meiner Balancefähigkeit klar.
Gut.
Ich erspare dem geschätzten Leser im folgenden eine ausführliche Beschreibung meines privaten Schlachtfeldes, wo sich Wille gegen Körper, und dann, in plötzlicher unheiliger Allianz, die beiden zusammen gegen meinen Stolz, meine Würde und ansatzweise gar gegen mein Selbstwertgefühl wenden.
Selbst die tatsächlich engelsgleiche Geduld und die kompetente Anweisung des Meisters können nichts daran ändern: Ich kann nicht wirklich auf einem Bein stehen. Entweder ich wackle hin und her wie ein Lämmerschwanz oder ... ich fall' einfach um.
Wodurch ans Tageslicht kommt, was mein Ego so gerne verborgen hätte: Was dem begabten T'ai-Chi-Studenten sein Kranich, ist mir Bewegungslegastheniker ein sterbender Schwan. Und mein Schwan ist nicht etwa in Schönheit im Kampfe gefallen, oh nein. Der ist an der Vogelgrippe verreckt. Kommt ja bekanntlich auch aus China.
Selbst mein kleiner Sohn, der mir später, zuhause, alleine im stillen Kämmerlein beim Üben zuschaut, fragt mich mit gerunzelter Stirne:"Mama, können das die anderen Kinder besser?"
Ja. Alle. Und zwar ausnahmslos alle, sage ich während ich mich wie ein Häufchen Elend an die Wand lehne und zu Boden rutsche.
Mitleidig klopft er mir auf die Schulter und sagt dann: "Macht nix. Wir können ja üben."
Und das tue ich seitdem. Ich habe aufgehört, darüber nachzudenken. Ich habe aufgehört, mich mit meinem Willen zwingen zu wollen. Ich habe aufgehört, mich zu vergleichen und die geschickten Kampfsportschüler, die manches Mal mit uns mitüben, im Geiste Taekwondodos zu nennen. Ich habe aufgehört, mich zu genieren.
Und ich habe angefangen, zu genießen. Ich lache, ich spür mich, ich wachse langsam, ganz langsam über meine eigenen ach so engen Grenzen hinaus.
Soll das Ego doch vor die Hunde gehen. Irgendwann fliegt selbst mein Kranich gen Himmel!
Freitag, 24. Mai 2013
Dienstag, 21. Mai 2013
Seelenwäsche
Im Garten spannt sich eine Wäscheleine
vom Kirschbaum hin zum kleinen Gartenhaus.
Auf dieser Leine, endlos lang,
die Reihe der Gewänder,
in die sich die Geschichten hüllen,
die ich mir von mir selbst erzähle.
Ich setz mich auf die kleine Gartenmauer
so wie ein Salamander in die Sonne
und spür die großen Steine
wie sie mir meine Füsse wärmen.
Und schau mir die Gewebe an
die fein gesponnenen und groben
und hör mir an, wie sie behaupten
zu wissen wer ich sei.
Das grüne Kleid, zu teuer aber wunderbar,
getragen auf der Hochzeit einer Freundin
um schön, schön, schön und ganz die Königin in meinem Reich zu sein.
Das schwarze, ausgebleichte Leinenhemd,
das mir erzählt, wie lang ich schon Geschichten meiner Traurigkeit mir selber glaube.
Die weiße Weste der Empörung,
die ich so gerne trage, wenn mir - ich armes Unschuldslamm -
die bösen Menschen übel mitspiel'n.
Und dann das große bunte Tuch
mit grünen Schmetterlingen drauf
das da vom Wind gebauscht und flatternd
von einem Waldspaziergang weiß,
der mich so glücklich macht.
Mit einem kleinen Lachen steh ich auf
und hab gesehen, was ich bin und wer ich gern zu sein glaubte
und gehe endlich heim
so federleicht und seelenbarfuß durch das grüne Gras.
vom Kirschbaum hin zum kleinen Gartenhaus.
Auf dieser Leine, endlos lang,
die Reihe der Gewänder,
in die sich die Geschichten hüllen,
die ich mir von mir selbst erzähle.
Ich setz mich auf die kleine Gartenmauer
so wie ein Salamander in die Sonne
und spür die großen Steine
wie sie mir meine Füsse wärmen.
Und schau mir die Gewebe an
die fein gesponnenen und groben
und hör mir an, wie sie behaupten
zu wissen wer ich sei.
Das grüne Kleid, zu teuer aber wunderbar,
getragen auf der Hochzeit einer Freundin
um schön, schön, schön und ganz die Königin in meinem Reich zu sein.
Das schwarze, ausgebleichte Leinenhemd,
das mir erzählt, wie lang ich schon Geschichten meiner Traurigkeit mir selber glaube.
Die weiße Weste der Empörung,
die ich so gerne trage, wenn mir - ich armes Unschuldslamm -
die bösen Menschen übel mitspiel'n.
Und dann das große bunte Tuch
mit grünen Schmetterlingen drauf
das da vom Wind gebauscht und flatternd
von einem Waldspaziergang weiß,
der mich so glücklich macht.
Mit einem kleinen Lachen steh ich auf
und hab gesehen, was ich bin und wer ich gern zu sein glaubte
und gehe endlich heim
so federleicht und seelenbarfuß durch das grüne Gras.
Montag, 17. Dezember 2012
...innen Granit
Ich bin auf einen blinden Fleck gestoßen.
Ist sicher nicht mein einziger, aber den einen, den hab ich erwischt.
Und zum ersten Mal war mir so richtig klar, warum uns das Leben manchesmal an die absoluten Grenzen unserer Belastbarkeit/Geduld/Hilfsbereitschaft etc.pp. bringt: Dort, jenseits der Demarkationslinie unseres wohlkonzertierten Bewußtseins, gleichsam im wilden Wilden Westen unseres Selbst, liegen sie, die Untiefen, die (zumindest dem Ego) todbringenden Klippen. Da, im unkultivierten, "unethischen" - das heißt nicht moralisch gefilterten- Unterbewußten, da beißen wir plötzlich auf Granit.
Es ist als ob der innere Steuermann, erschöpft durch Krankheit, Überforderung oder einfach dem Leben an sich, das Ruder losgelassen hätte. Und plötzlich taumelt unser vermeintlich seefester Ozeanriese wie eine kleine Nußschale in den Wellen, hier- und dahin gezogen von den Strömungen, nicht mehr imstande, Widerstand zu leisten. Und schließlich werden wir hineingezogen in das gefährliche, unkontrollierbare Wasser beim Riff, mit seinen Untiefen und tückischen Klippen, die nur darauf warten, dass unser so fein gefügtes Selbstbild an ihnen zerschellt.
Das ist der Moment, wo wir beinhart und gnadenlos sind mit denen, die wir eigentlich lieben.
Unser sonst allgegenwärtiges Verständnis und Mitgefühl scheint an diesem Ort nicht zu existieren. Nichts Warmes, Liebevolles kann uns dorthin folgen, und nichts außer eisiger Kälte geht an diesem Ort von uns aus.
In meinem Meer aus Gefühl, Verständnis und Liebe baut sich ein Felsen aus Kälte auf, ist...innen Granit.
Aber worauf gründet dieser Fels? Warum kann er dort existieren?
Meist sind wir so entsetzt von diesen Bereichen unserer Seele, dass wir so schnell wir können Reißaus nehmen, uns wieder in die sicheren Gestaade unseres Bewußtseins begeben und die Begegnung mit unserer eigenen Hölle als schrecklichen Ausrutscher, der nie wieder vorkommen soll, deklarieren.
Aber wenn wir so müde, so bis in die Knochen erschöpft sind, dass wir einfach nicht mehr davonrennen können vor diesem Ort, dann bleiben wir manchesmal lange genug stehen und starren den Granitbrocken in unserer Seele an. Und plötzlich können wir ihn sehen, den Urgrund für den blinden, den toten Fleck in uns selbst.
Es ist Schmerz. Es ist immer Schmerz.
Und unser Auftrag, gegen den wir uns so gewehrt haben, zu dem man uns gleichsam zwingen musste, ist uns selbst da abzuholen. Das kleine Kind, der abgerackerte Mann, die nicht gewürdigte Mutter, die verspottete Freundin, der im Stich gelassene Kollege, der von der Welt vergessene alte Mensch in uns, egal welcher Teil auch immer, der nicht von uns gesehen werden wollte in seiner Verletztheit, steht da auf der Klippe im Eismeer und verströmt Kälte, während er selbst erfriert.
Hol ihn da raus.
Schau ihn einfach an, den Teil von Dir, der nicht in das Konzept - Dein Konzept! - vom netten, klugen, entspannten, selbstsicheren usw. Menschen gepasst hat, der Du sein möchtest. Schau ihn an, den Teil, den Du rausfilterst.
Du musst ihn nicht gut finden; Du musst ihn nicht mögen. Du musst nur anerkennen, dass er da ist. Und dass er leidet. Nicht mehr und nicht weniger.
Irgendwann später, wenn das alles geschafft ist, wirst Du ihn verstehen. Ihn gern haben. Ihn und alle die Wesen da draußen in der Welt, die so sind wie er.
Denn in diesem einen Moment löst sich der Schmerz auf und entzieht dem Felsen in Dir den Boden.
Und Dein Meer plätschert sanft an Deine neu eroberte Küste.
Ist sicher nicht mein einziger, aber den einen, den hab ich erwischt.
Und zum ersten Mal war mir so richtig klar, warum uns das Leben manchesmal an die absoluten Grenzen unserer Belastbarkeit/Geduld/Hilfsbereitschaft etc.pp. bringt: Dort, jenseits der Demarkationslinie unseres wohlkonzertierten Bewußtseins, gleichsam im wilden Wilden Westen unseres Selbst, liegen sie, die Untiefen, die (zumindest dem Ego) todbringenden Klippen. Da, im unkultivierten, "unethischen" - das heißt nicht moralisch gefilterten- Unterbewußten, da beißen wir plötzlich auf Granit.
Es ist als ob der innere Steuermann, erschöpft durch Krankheit, Überforderung oder einfach dem Leben an sich, das Ruder losgelassen hätte. Und plötzlich taumelt unser vermeintlich seefester Ozeanriese wie eine kleine Nußschale in den Wellen, hier- und dahin gezogen von den Strömungen, nicht mehr imstande, Widerstand zu leisten. Und schließlich werden wir hineingezogen in das gefährliche, unkontrollierbare Wasser beim Riff, mit seinen Untiefen und tückischen Klippen, die nur darauf warten, dass unser so fein gefügtes Selbstbild an ihnen zerschellt.
Das ist der Moment, wo wir beinhart und gnadenlos sind mit denen, die wir eigentlich lieben.
Unser sonst allgegenwärtiges Verständnis und Mitgefühl scheint an diesem Ort nicht zu existieren. Nichts Warmes, Liebevolles kann uns dorthin folgen, und nichts außer eisiger Kälte geht an diesem Ort von uns aus.
In meinem Meer aus Gefühl, Verständnis und Liebe baut sich ein Felsen aus Kälte auf, ist...innen Granit.
Aber worauf gründet dieser Fels? Warum kann er dort existieren?
Meist sind wir so entsetzt von diesen Bereichen unserer Seele, dass wir so schnell wir können Reißaus nehmen, uns wieder in die sicheren Gestaade unseres Bewußtseins begeben und die Begegnung mit unserer eigenen Hölle als schrecklichen Ausrutscher, der nie wieder vorkommen soll, deklarieren.
Aber wenn wir so müde, so bis in die Knochen erschöpft sind, dass wir einfach nicht mehr davonrennen können vor diesem Ort, dann bleiben wir manchesmal lange genug stehen und starren den Granitbrocken in unserer Seele an. Und plötzlich können wir ihn sehen, den Urgrund für den blinden, den toten Fleck in uns selbst.
Es ist Schmerz. Es ist immer Schmerz.
Und unser Auftrag, gegen den wir uns so gewehrt haben, zu dem man uns gleichsam zwingen musste, ist uns selbst da abzuholen. Das kleine Kind, der abgerackerte Mann, die nicht gewürdigte Mutter, die verspottete Freundin, der im Stich gelassene Kollege, der von der Welt vergessene alte Mensch in uns, egal welcher Teil auch immer, der nicht von uns gesehen werden wollte in seiner Verletztheit, steht da auf der Klippe im Eismeer und verströmt Kälte, während er selbst erfriert.
Hol ihn da raus.
Schau ihn einfach an, den Teil von Dir, der nicht in das Konzept - Dein Konzept! - vom netten, klugen, entspannten, selbstsicheren usw. Menschen gepasst hat, der Du sein möchtest. Schau ihn an, den Teil, den Du rausfilterst.
Du musst ihn nicht gut finden; Du musst ihn nicht mögen. Du musst nur anerkennen, dass er da ist. Und dass er leidet. Nicht mehr und nicht weniger.
Irgendwann später, wenn das alles geschafft ist, wirst Du ihn verstehen. Ihn gern haben. Ihn und alle die Wesen da draußen in der Welt, die so sind wie er.
Denn in diesem einen Moment löst sich der Schmerz auf und entzieht dem Felsen in Dir den Boden.
Und Dein Meer plätschert sanft an Deine neu eroberte Küste.
Freitag, 5. Oktober 2012
Nachts um halbdrei...
Ich bin aufgewacht, weil die Gedanken in meinem Kopf schwirren wie wildgewordene Bienen beim unkontrollierten Schwärmen - wo war doch gleich die Königin?
Wie ein führerloses Motorboot auf Vollgas brechen die Sorgen - ganz banale, alltägliche, sinnlose Sorgen - ein in das Meer meiner Träume und stören die sanft plätschernden Wogen meines Schlafes.
Welcher Depp hat denn den Motor aufgedreht und wo, verdammt nochmal, ist der Kapitän?!
Ich hab ihn wohl selbst angelassen, den Motor, und der Sprit, der nie auszugehen scheint, sind die tausendunddreizehn sinnlosen Ängste, die ich in mir schüre. Und miserabler Kapitän, der ich bin, steh ich an den Gestaden meines Selbst und schau dem wildgewordenen Boot beim Wüten zu.
Ich greife zu dem Buch auf meinem Nachttisch - Quellen des Zen, ich habs von meinem Papa geerbt und mir gedacht, ich könnte es endlich einmal lesen - und schlage auf:
1. Koan: Joshus "Mu"
Ein Mönch fragte einmal Meister Joshu: "Hat ein Hund die Buddha-Natur oder nicht?"
Joshu sagte:"Mu!"
Na so was.
Was sagst Du dazu, Papa?
Um es kurz zu machen, auch nach der Lektüre der Einführung in das Gesamtwerk sowie der zu diesem speziellen Koan gehörigen Erläuterungen bin ich der Sache um keinen Millimeter näher gekommen. Es beschleicht mich lediglich der Gedanke, dass der große japanische Geist von damals doch etwas anders tickt als der meinige kleine heute.
Vielleicht lehnen sich die Meister solange gegen die Wand der Gedanken, bis sie niederbricht und den Weg freigibt zum wahren Wesen der Dinge, wer weiß...
Ich lehne mich eher gegen die Wand der Definition von Wo-höre-ich-auf-und-wo-fängst-du-an.
Das ist die Grenze, die verschwimmt und irgendwann verschwindet, wenn ich mich ganz auf die Energie eines anderen Lebewesens einlasse. Vielleicht gibt auch diese Wand schließlich den Weg frei zum wahren Wesen der Dinge, wer weiß...
Sollte ich dort, auf dem letzten Weg zum Kern der Sache, dem Meister Joshu begegnen, muss ich ihn aber trotzdem fragen, was es mit dem "Mu" auf sich hat.
Wie ein führerloses Motorboot auf Vollgas brechen die Sorgen - ganz banale, alltägliche, sinnlose Sorgen - ein in das Meer meiner Träume und stören die sanft plätschernden Wogen meines Schlafes.
Welcher Depp hat denn den Motor aufgedreht und wo, verdammt nochmal, ist der Kapitän?!
Ich hab ihn wohl selbst angelassen, den Motor, und der Sprit, der nie auszugehen scheint, sind die tausendunddreizehn sinnlosen Ängste, die ich in mir schüre. Und miserabler Kapitän, der ich bin, steh ich an den Gestaden meines Selbst und schau dem wildgewordenen Boot beim Wüten zu.
Ich greife zu dem Buch auf meinem Nachttisch - Quellen des Zen, ich habs von meinem Papa geerbt und mir gedacht, ich könnte es endlich einmal lesen - und schlage auf:
1. Koan: Joshus "Mu"
Ein Mönch fragte einmal Meister Joshu: "Hat ein Hund die Buddha-Natur oder nicht?"
Joshu sagte:"Mu!"
Na so was.
Was sagst Du dazu, Papa?
Um es kurz zu machen, auch nach der Lektüre der Einführung in das Gesamtwerk sowie der zu diesem speziellen Koan gehörigen Erläuterungen bin ich der Sache um keinen Millimeter näher gekommen. Es beschleicht mich lediglich der Gedanke, dass der große japanische Geist von damals doch etwas anders tickt als der meinige kleine heute.
Vielleicht lehnen sich die Meister solange gegen die Wand der Gedanken, bis sie niederbricht und den Weg freigibt zum wahren Wesen der Dinge, wer weiß...
Ich lehne mich eher gegen die Wand der Definition von Wo-höre-ich-auf-und-wo-fängst-du-an.
Das ist die Grenze, die verschwimmt und irgendwann verschwindet, wenn ich mich ganz auf die Energie eines anderen Lebewesens einlasse. Vielleicht gibt auch diese Wand schließlich den Weg frei zum wahren Wesen der Dinge, wer weiß...
Sollte ich dort, auf dem letzten Weg zum Kern der Sache, dem Meister Joshu begegnen, muss ich ihn aber trotzdem fragen, was es mit dem "Mu" auf sich hat.
Sonntag, 5. August 2012
...so sprach der Poet
Ich habe nach langer Zeit wieder einmal die Muße gehabt, die Bücher meines Lieblingsdichters R. Tagore zur Hand zu nehmen. Als ich vor mehr als 20 Jahren in Indien ein kleines, in rotes Leder gebundenes Büchlein von einer lieben Freundin geschenkt bekam - "Gitanjali, by Rabindranath Tagore", hatte ich mit Poesie - schon gar mit indischer, in ein altmodisches Englisch übersetzter - nicht wirklich viel am Hut.
Trotzdem...war ich irgendwie berührt.
Und seitdem haben mich diese Gedichte und Gedanken begleitet.
Und jetzt, beim Schmökern in einer deutschen Ausgabe von "Der Gärtner", bin ich auf dieses kleine Poem gestoßen und hab mich gefreut...
"Oft frag ich mich, wo liegen die verborgnen Grenzen des Erkennens zwischen Mensch und Tier; kennt es doch unsre Sprache nicht.
Durch welches Erstlingsparadies am fernen Schöpfungsmorgen lief der schlichte Pfad, auf dem sie zueinanderkamen?
Die Spuren ihres langen Miteinander-Gehens sind nicht verwischt, auch wenn die gleiche Abkunft längst vergessen ist.
Doch jäh erwacht ein dunkles Erinnern bei irgendeiner wortlosen Musik, und in des Menschen Antlitz späht das Tier in zärtlichem Vertrauen, und nieder schaut der Mensch in seine Augen mit froher Liebe.
Es scheint, verkleidet treffen sich die beiden Freunde, erkennen sich nur unklar hinter ihrer Maske."
Da gibt's nichts mehr hinzuzufügen, oder? ;-)
Trotzdem...war ich irgendwie berührt.
Und seitdem haben mich diese Gedichte und Gedanken begleitet.
Und jetzt, beim Schmökern in einer deutschen Ausgabe von "Der Gärtner", bin ich auf dieses kleine Poem gestoßen und hab mich gefreut...
"Oft frag ich mich, wo liegen die verborgnen Grenzen des Erkennens zwischen Mensch und Tier; kennt es doch unsre Sprache nicht.
Durch welches Erstlingsparadies am fernen Schöpfungsmorgen lief der schlichte Pfad, auf dem sie zueinanderkamen?
Die Spuren ihres langen Miteinander-Gehens sind nicht verwischt, auch wenn die gleiche Abkunft längst vergessen ist.
Doch jäh erwacht ein dunkles Erinnern bei irgendeiner wortlosen Musik, und in des Menschen Antlitz späht das Tier in zärtlichem Vertrauen, und nieder schaut der Mensch in seine Augen mit froher Liebe.
Es scheint, verkleidet treffen sich die beiden Freunde, erkennen sich nur unklar hinter ihrer Maske."
Da gibt's nichts mehr hinzuzufügen, oder? ;-)
Dienstag, 5. Juni 2012
Abschied
Eine liebe Freundin verläßt heute Deutschland um in einem fernen asiatischen Land zu leben.
Die Entscheidung hat sie vor kurzem sehr spontan getroffen.
Sie hat nur wenige Minuten von mir entfernt gewohnt.
Wir waren ja beide so beschäftigt, wir haben uns selten gesehen.
Als es möglich war, haben wir uns nicht die Zeit genommen.
Jetzt nimmt uns die Zeit die Möglichkeit.
Die Entscheidung hat sie vor kurzem sehr spontan getroffen.
Sie hat nur wenige Minuten von mir entfernt gewohnt.
Wir waren ja beide so beschäftigt, wir haben uns selten gesehen.
Als es möglich war, haben wir uns nicht die Zeit genommen.
Jetzt nimmt uns die Zeit die Möglichkeit.
Dienstag, 29. Mai 2012
Einbildung und Einstellung
Jeder kennt das: Du willst etwas unbedingt, du setzt deinen ganzen Willen und deine ganze Kraft dahinter, aber was auch immer du anstellst - es kommt nicht das dabei heraus, was du dir vorgestellt hast.
Trotz all dem positiv Denken, aller möglichen Affirmationen, allem "zielgerichteten" Handeln - das Ergebnis sieht bestenfalls nach blindem Aktionismus aus. Extrem unbefriedigend. Extrem frustrierend.
Warum?
Es ist wie beim Reiten: Du willst eine bestimmte Übung reiten, Du willst nach links, Du schaust nach links - aber dein Pferd marschiert immer schnurstracks nach rechts. Irgendwas in deinem Körper sagt offenbar etwas anderes als dein Kopf.
Das Leben reagiert genauso wie dein Pferd. Wenn dein ganzes Wesen, dein ganzer Körper nach rechts gewendet ist und du schielst nur mit deinen Augen auf ein Ziel ganz links, gehts trotzdem diretissima auf die rechte Seite.
Wie das passiert, kann man ganz einfach ausprobieren: Halte deinen Körper weiter starr nach rechts gewendet, peile mit deinen Augen dein Ziel ganz weit links an und gib deinen Beinen den Befehl "Marsch", ohne deine Körperausrichtung zu korrigieren. Dein Körper gehorcht zwar deinem mit viel Nachdruck=Willenskraft gegebenen Marschbefehl, aber weil alles außer deiner Vorstellung noch immer nach rechts gewendet ist, landest du - wo? Na rechts, natürlich.
Ist das jetzt ein Fehler des Schicksals? Eine Gemeinheit der Vorsehung? Oder einfach eine logische Folge dessen, dass deine Einstellung nicht deiner Einbildung gefolgt ist...
Eigentlich wäre die Theorie glasklar und in sich absolut schlüssig:
1. der Fokus = was will ich
2. das Anpeilen = wo/in welche Richtung liegt mein Ziel
3. die Einstellung bzw. das Ausrichten des gesamten Wesens auf das ins Auge gefasste Ziel = wenn ich nach links will, muss ich mich auch insgesamt nach links drehen
4. das Handeln = ich setzte mich in Bewegung
Punkt 1,2 und 4 kriegen wir meist ganz gut hin.
Bei 1. und 2. geht es darum, sich ein Bild zu machen. Das ist prinzipiell goldrichtig und unerlässlich, und wenn einem dabei positive Gedanken und Affirmationen helfen - wunderbar!
Aber wenn wir Punkt 3 überspringen und gleich mit 4. dem Handeln beginnen, ist das schöne Bild zu einer bloßen Einbildung verkommen.
Warum? Ganz einfach weil wir den wirklich mühsamen Teil des Prozesses übersprungen haben, nämlich den, unsere Einstellung zu verändern...
Es ist wie beim Reiten, oder?
Lieben Gruß und euch allen einen schönen Tag!
Daya
Trotz all dem positiv Denken, aller möglichen Affirmationen, allem "zielgerichteten" Handeln - das Ergebnis sieht bestenfalls nach blindem Aktionismus aus. Extrem unbefriedigend. Extrem frustrierend.
Warum?
Es ist wie beim Reiten: Du willst eine bestimmte Übung reiten, Du willst nach links, Du schaust nach links - aber dein Pferd marschiert immer schnurstracks nach rechts. Irgendwas in deinem Körper sagt offenbar etwas anderes als dein Kopf.
Das Leben reagiert genauso wie dein Pferd. Wenn dein ganzes Wesen, dein ganzer Körper nach rechts gewendet ist und du schielst nur mit deinen Augen auf ein Ziel ganz links, gehts trotzdem diretissima auf die rechte Seite.
Wie das passiert, kann man ganz einfach ausprobieren: Halte deinen Körper weiter starr nach rechts gewendet, peile mit deinen Augen dein Ziel ganz weit links an und gib deinen Beinen den Befehl "Marsch", ohne deine Körperausrichtung zu korrigieren. Dein Körper gehorcht zwar deinem mit viel Nachdruck=Willenskraft gegebenen Marschbefehl, aber weil alles außer deiner Vorstellung noch immer nach rechts gewendet ist, landest du - wo? Na rechts, natürlich.
Ist das jetzt ein Fehler des Schicksals? Eine Gemeinheit der Vorsehung? Oder einfach eine logische Folge dessen, dass deine Einstellung nicht deiner Einbildung gefolgt ist...
Eigentlich wäre die Theorie glasklar und in sich absolut schlüssig:
1. der Fokus = was will ich
2. das Anpeilen = wo/in welche Richtung liegt mein Ziel
3. die Einstellung bzw. das Ausrichten des gesamten Wesens auf das ins Auge gefasste Ziel = wenn ich nach links will, muss ich mich auch insgesamt nach links drehen
4. das Handeln = ich setzte mich in Bewegung
Punkt 1,2 und 4 kriegen wir meist ganz gut hin.
Bei 1. und 2. geht es darum, sich ein Bild zu machen. Das ist prinzipiell goldrichtig und unerlässlich, und wenn einem dabei positive Gedanken und Affirmationen helfen - wunderbar!
Aber wenn wir Punkt 3 überspringen und gleich mit 4. dem Handeln beginnen, ist das schöne Bild zu einer bloßen Einbildung verkommen.
Warum? Ganz einfach weil wir den wirklich mühsamen Teil des Prozesses übersprungen haben, nämlich den, unsere Einstellung zu verändern...
Es ist wie beim Reiten, oder?
Lieben Gruß und euch allen einen schönen Tag!
Daya
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